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ChatGPT for Teens: Was Kinder- und Jugendärzte Eltern jetzt raten sollten

Eine aktuelle Studie bezeichnet ChatGPT for Teens trotz moderater Nutzungszeiten als Risiko – was das für die Beratung in Kinderarzt- und Schulgesundheitspraxen bedeutet.

Steven Breuer3 Min.

KI-Kennzeichen der EU: KI beteiligtMit KI-Unterstützung erstellt · redaktionell geprüft und verantwortet von Steven Breuer.

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Seit August 2025 bietet OpenAI mit ChatGPT for Teens eine eigene Variante des Chatbots für 13- bis 17-Jährige an – mit inhaltlichen Einschränkungen und Kontrollfunktionen für Eltern. Die Nutzungszahlen klingen zunächst beruhigend: Jugendliche verbringen im Schnitt weniger als 15 Minuten täglich mit dem Tool, weniger als zwei Prozent nutzen es länger als drei Stunden am Stück, und fast die Hälfte hält die vom Chatbot vorgeschlagenen Pausen ein. Das geht aus einem aktuellen Bericht von heise online hervor. Doch die moderate Nutzungsdauer sagt wenig darüber aus, was in diesen Minuten tatsächlich passiert – und genau hier setzt eine Studie der gemeinnützigen Organisation Common Sense Media an, die für Kinder- und Jugendärzte sowie Schulmediziner relevant ist.

Was die Studie konkret zeigt

Die Organisation hat mehr als 4.000 Prompts aus Konten analysiert, die für 13- bis 17-Jährige registriert waren. Das Ergebnis fällt deutlich aus: ChatGPT for Teens benachrichtigt Eltern nicht zuverlässig, wenn Konversationen dies erfordern würden – etwa bei Anzeichen von Krisensituationen. Besonders gravierend: Laut Studienleiter kann ein Teenager eine Stunde lang über Selbstverletzung sprechen, ohne dass die Eltern eine einzige Benachrichtigung erhalten. Zudem würde der Chatbot Jugendliche in Krisensituationen nicht korrekt unterstützen und – entgegen den Versprechen von OpenAI – weiterhin komplette Hausaufgaben erledigen, statt nur Hilfestellung zu geben.

Die Schlussfolgerung der Studienautoren ist unmissverständlich: ChatGPT stelle für Jugendliche ein „inakzeptables Risiko“ dar und sollte, bis die Sicherheitsmechanismen durch unabhängige Tests belegt sind, Erwachsenen vorbehalten bleiben.

OpenAI widerspricht dieser Einschätzung. Ein Unternehmenssprecher erklärte laut Reuters, die Tests spiegelten die tatsächliche Funktionsweise der Sicherheitsschranken nicht genau wider, da die Verknüpfung von Jugend- und Elternkonten aus Sicherheitsgründen Stunden dauern könne. Common Sense Media widerspricht dem wiederum: Auch bei länger aktiven Testkonten seien Eltern erst nach Wochen über sensible Themen wie Essstörungen oder Selbstverletzung informiert worden.

Warum das für Sie als Kinderarzt oder Schulmediziner relevant ist

Diese Kontroverse ist kein rein technisches Detail. Für Sie im Patientenkontakt bedeutet sie konkret: Eltern, die ChatGPT for Teens für ihre Kinder freigeschaltet haben, verlassen sich möglicherweise auf Schutzmechanismen, die in der Praxis nicht zuverlässig greifen. Das betrifft insbesondere Jugendliche, die sich in Krisen – etwa bei Suizidgedanken, Selbstverletzung oder Essstörungen – eher einem Chatbot als einem Erwachsenen anvertrauen. Gerade in diesen Fällen ist die fehlende Benachrichtigungsfunktion kein abstraktes Datenschutzproblem, sondern ein patientensicherheitsrelevanter Faktor.

Was Sie Eltern konkret raten können

  • Keine falsche Sicherheit vermitteln. Machen Sie deutlich, dass die beworbenen Kontrollfunktionen laut unabhängiger Prüfung nicht zuverlässig funktionieren. Eltern sollten sich nicht darauf verlassen, bei kritischen Gesprächsinhalten automatisch informiert zu werden.
  • Im Anamnesegespräch aktiv nachfragen. Fragen Sie bei Jugendlichen gezielt nach der Nutzung von KI-Chatbots – ähnlich wie Sie heute nach Social-Media-Nutzung fragen. Viele Eltern wissen nicht, in welchem Umfang und zu welchen Themen ihre Kinder mit ChatGPT kommunizieren.
  • Krisenanzeichen nicht an Technik delegieren. Weisen Sie Eltern darauf hin, dass ein Chatbot kein Ersatz für aufmerksame Beobachtung ist. Wenn ein Jugendlicher auffällig viel Zeit mit KI-Chats verbringt oder sich zurückzieht, ersetzt kein Sicherheitsfeature das persönliche Gespräch.
  • Hausaufgabenhilfe kritisch einordnen. Da der Chatbot laut Studie weiterhin vollständige Lösungen statt Lernunterstützung liefert, lohnt sich ein Hinweis an Eltern, die schulische Nutzung regelmäßig zu hinterfragen – nicht nur mit Blick auf Lernerfolg, sondern auch auf die Qualität der Eltern-Kind-Kommunikation über Schule und Leistungsdruck.
  • Bei Verdacht auf Krisensituationen eigene Kanäle stärken. Informieren Sie über bestehende Beratungsangebote (etwa Jugendtelefon oder schulpsychologische Dienste) als verlässliche Alternative zu Chatbot-Interaktionen in akuten Situationen.

Fazit

Die moderate durchschnittliche Nutzungsdauer von ChatGPT for Teens darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die inhaltliche Qualität der Interaktionen – insbesondere in Krisensituationen – laut unabhängiger Prüfung Lücken aufweist. Für Kinder- und Jugendärzte sowie Schulmediziner ergibt sich daraus ein klarer Beratungsauftrag: Eltern brauchen realistische Einordnung statt Marketingversprechen, und das Thema KI-Chatbot-Nutzung gehört in die Routineanamnese – gerade bei Jugendlichen mit psychischen Belastungsfaktoren.