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CybersicherheitMedizinprodukteKlinik-ITKI in der Medizin

Offene Netze, knappes Personal: Wie strukturelle Cyber-Lücken KI-gestützte Medizintechnik gefährden

Ein dokumentierter Fall aus einem deutschen Krankenhaus zeigt, wie Standardpasswörter und offene WLAN-Netze ganze Klinikinfrastrukturen und vernetzte Medizinprodukte angreifbar machen – mit direkten Konsequenzen für KI-gestützte Diagnostik und Therapie.

Steven Breuer3 Min.

KI-Kennzeichen der EU: KI beteiligtMit KI-Unterstützung erstellt · redaktionell geprüft und verantwortet von Steven Breuer.

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Ein offenes WLAN, Zugangsdaten auf dem Werkseinstellungswert „admin“, darüber erreichbar: Türen zu Notaufnahme und OP. Kein hypothetisches Szenario, sondern ein realer Fall aus einem deutschen Krankenhaus, den heise online zusammen mit dem Medizintechniker Martin Tettke im Digital-Health-Podcast aufgearbeitet hat. Ein Hinweisgeber hatte die Klinik informiert – ignoriert. Erst eine Presseanfrage brachte Bewegung, und selbst dann wurde die Lücke wegen Urlaubszeit nicht sofort geschlossen.

Für mich als Arzt und Entwickler ist dieser Fall aus zwei Gründen relevant. Zum einen zeigt er ein klassisches Organisationsversagen in der IT-Sicherheit von Kliniken. Zum anderen trifft er genau den Bereich, in dem ich beruflich unterwegs bin: vernetzte, zunehmend KI-gestützte Systeme in Diagnostik und Behandlung. Wer über KI in der Medizin spricht, muss auch über das Netzwerk sprechen, in dem diese KI läuft.

Ein Versagen auf mehreren Ebenen

Tettke, der viele Jahre die Zertifizierstelle der Berlin Cert GmbH leitete und heute beim Bundesinstitut für Risikobewertung arbeitet, benennt das Problem klar: Ein Dienstleister darf ein System niemals mit Standardzugangsdaten übergeben. Das Krankenhaus wiederum hätte bei der Abnahme prüfen müssen, ob grundlegende Sicherheitsanforderungen erfüllt sind. Er spricht von „Organisationsversagen“ – und sieht die Verantwortung ausdrücklich auch bei der Klinikleitung.

Besonders relevant für den Klinikalltag: Netze für Verwaltung, Medizintechnik und Zutrittssteuerung müssen sauber voneinander getrennt sein. Genau diese Trennung fehlte im beschriebenen Fall. Wenn ein offenes WLAN Zugriff auf Türsteuerungen erlaubt, ist davon auszugehen, dass auch andere, medizinisch relevante Systeme im selben Netzsegment erreichbar waren – bildgebende Verfahren, Monitoring-Systeme, möglicherweise KI-gestützte Diagnoseunterstützung, die heute zunehmend Netzwerkanbindung benötigt, etwa für Updates, Cloud-Auswertungen oder den Abgleich mit Referenzdatenbanken.

Schatten-IT als unterschätztes Risiko

Ein weiterer Punkt, den Tettke anspricht, betrifft ein Phänomen, das viele Praxen und Kliniken aus eigener Erfahrung kennen: Schatten-IT. Wenn Mitarbeitende eigene WLAN-Access-Points anschließen, weil das offizielle Netz zu langsam oder zu restriktiv ist, entstehen unkontrollierte Einfallstore – oft ohne böse Absicht, aber mit realem Risiko. Für jede Praxis, die KI-gestützte Software einsetzt, etwa zur Befundunterstützung oder Dokumentation, ist das ein Punkt, den IT-Verantwortliche aktiv adressieren müssen, statt ihn als Randthema zu behandeln.

Weniger Zeit zum Reagieren

Die Bedrohungslage hat sich laut Tettke grundlegend verändert. Früher blieb nach Bekanntwerden einer Schwachstelle Zeit zum Patchen. Heute gilt: Wer zwei bis drei Tage wartet, hat möglicherweise schon einen Angriff verpasst. Bemerkenswert ist dabei die doppelte Rolle, die KI-Modelle inzwischen einnehmen. Sie beschleunigen Angriffe – automatisiertes Scannen nach Schwachstellen, generierte Phishing-Mails, schnellere Exploit-Entwicklung. Gleichzeitig lassen sie sich für die Verteidigung nutzen, etwa um eigene Netzwerke kontinuierlich auf Schwachstellen zu prüfen.

Für Kliniken, die ohnehin in KI-gestützte klinische Systeme investieren, liegt hier eine naheliegende Konsequenz: Die gleiche technologische Kompetenz, die für Diagnostik-KI aufgebaut wird, lässt sich auch für KI-gestützte Netzwerküberwachung einsetzen. Beides gehört organisatorisch enger zusammen, als es in vielen Häusern heute der Fall ist.

Personalmangel ist kein Argument, sondern ein Risiko

Der Bundesverband KH-IT hatte bereits im Frühjahr beklagt, dass vielen Krankenhäusern Geld und Personal für eine saubere Priorisierung von IT-Sicherheitsrisiken fehlen. Tettke lässt dieses Argument nur bedingt gelten: Jeder Sicherheitsvorfall koste ein Vielfaches dessen, was zwei oder drei zusätzliche Fachkräfte kosten würden. Er selbst hat erlebt, wie eine Klinik eine Woche lang ohne funktionierende Radiologie auskommen musste.

Was Praxen und Kliniken konkret tun sollten

Drei Punkte lassen sich aus dem Fall direkt ableiten. Erstens: Netzwerksegmentierung ist keine Kür, sondern Grundvoraussetzung – Verwaltung, Medizintechnik und Zutrittssysteme gehören strikt getrennt. Zweitens: Bei der Abnahme neuer Geräte und Systeme muss die IT-Abteilung von Anfang an eingebunden sein, nicht erst nach der Installation. Standardpasswörter dürfen niemals produktiv bleiben. Drittens: Schatten-IT braucht klare Regeln und regelmäßige Netzwerk-Audits, idealerweise unterstützt durch automatisierte, KI-gestützte Prüfwerkzeuge.

Wer in KI-gestützte Diagnostik oder Therapieunterstützung investiert, investiert implizit auch in die Netzwerkinfrastruktur, auf der diese Systeme laufen. Beides getrennt zu betrachten, ist angesichts der beschriebenen Fälle keine Option mehr.