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Deepfake-Ärzte in der Werbung: Wie Praxen ihre Patienten schützen

KI-generierte Deepfakes bekannter Ärztinnen und Ärzte bewerben zweifelhafte Gesundheitsprodukte – was Praxen jetzt zur Aufklärung ihrer Patienten tun können.

Steven Breuer4 Min.

KI-Kennzeichen der EU: KI beteiligtMit KI-Unterstützung erstellt · redaktionell geprüft und verantwortet von Steven Breuer.

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Ein Video von Dr. Eckart von Hirschhausen, der ein Abnehmmittel empfiehlt. Ein Interview mit einer bekannten Ärztin, in dem sie vor angeblich gefährlichen Medikamenten warnt und stattdessen ein "natürliches" Wundermittel anpreist. Beides ist nie so passiert – und trotzdem kursieren solche Inhalte im Netz, täuschend echt produziert mit Künstlicher Intelligenz. Für Patientinnen und Patienten wird es damit zunehmend schwerer, seriöse medizinische Information von gezielter Täuschung zu unterscheiden.

Ein skalierbares Betrugsmodell, kein Einzelfall

Wie heise online berichtet, nutzen Anbieter zweifelhafter Abnehmprodukte, Nahrungsergänzungsmittel und Wundermittel zunehmend Bilder, Namen und Stimmen bekannter Ärztinnen, Ärzte und Wissenschaftsjournalisten, um ihren Produkten eine medizinische Autorität zu verleihen, die sie nicht haben. Dabei handelt es sich, so der Bericht, oft um manipulierte Inhalte: Ausschnitte aus echten Interviews werden in neue Zusammenhänge gesetzt, Bilder nachbearbeitet, Stimmen mit KI imitiert. Die gezeigten Personen haben die beworbenen Produkte in aller Regel nie getestet, empfohlen oder auch nur erwähnt.

Andreas Arntzen, Vorsitzender der Geschäftsführung der Wort Bild Verlagsgruppe, bringt das Ausmaß auf den Punkt: Es gehe nicht um einzelne isolierte Anzeigen oder einen unseriösen Online-Shop, sondern um ein System. Mit automatisiert erzeugten Anzeigen, gezielter Zielgruppenansprache und täuschend echt wirkenden Landingpages lassen sich solche Fakes in kurzer Zeit vervielfältigen und über soziale Netzwerke, Suchmaschinen und digitale Werbeumfelder an ein großes Publikum ausspielen. Aus einem einzelnen Fall von Identitätsmissbrauch wird so ein reproduzierbares Werbemodell.

Für die Betroffenen selbst – also die tatsächlich gezeigten Ärztinnen und Ärzte – bedeutet das einen Kontrollverlust über die eigene Reputation, gegen den sie sich kaum wehren können. Für Praxen und ihre Patienten entsteht ein anderes, ebenso reales Problem: Vertrauen in medizinische Kommunikation insgesamt gerät ins Wanken, wenn nicht mehr klar ist, ob ein Video, eine Stimme oder ein Expertenzitat echt ist.

Warum das auch Ihre Praxis betrifft

Man muss nicht selbst Ziel eines Deepfakes geworden sein, um mit den Folgen konfrontiert zu werden. Patientinnen und Patienten, die ein solches Fake-Testimonial gesehen haben, bringen die darin geweckten Erwartungen mit in die Sprechstunde – sei es die Frage nach einem beworbenen Präparat, sei es ein grundsätzliches Misstrauen gegenüster ärztlichem Rat, weil "die Ärzte im Internet ja auch alles Mögliche empfehlen". Die im heise-Artikel beschriebene Erosion der Unterscheidbarkeit zwischen echter Information, Werbung und gezielter Täuschung trifft die Arzt-Patienten-Beziehung direkt an ihrer Vertrauensbasis.

Hinzu kommt: Sollte ausgerechnet Ihr Gesicht, Ihr Name oder Ihre Praxis für ein solches Fake-Testimonial missbraucht werden, ist der Reputationsschaden schwer zu beziffern und noch schwerer rückgängig zu machen. Die technischen Möglichkeiten, gegen einzelne Fake-Anzeigen vorzugehen, sind begrenzt – das beschreibt der Artikel als einen strukturell ungleichen Kampf zwischen Betroffenen und Plattformen.

Was Praxen konkret tun können

Auch wenn Praxen das grundsätzliche Problem nicht lösen können, gibt es wirksame Maßnahmen im eigenen Umfeld:

Aktiv aufklären, statt nur zu reagieren. Ein kurzer Hinweis auf der Praxis-Website oder ein Aushang im Wartezimmer, dass Sie keine Produkte über Social-Media-Anzeigen bewerben und dass Empfehlungen ausschließlich im persönlichen Gespräch erfolgen, schafft eine klare Referenzlinie für Ihre Patienten.

Nachfragen ernst nehmen, nicht abtun. Wenn Patientinnen und Patienten ein Video oder eine Anzeige ansprechen, ist das eine Gelegenheit zur Aufklärung, keine Nebensächlichkeit. Ein einfacher Hinweis – echte medizinische Empfehlungen basieren auf individueller Diagnostik, nicht auf pauschalen Werbeversprechen – hilft oft mehr als eine lange Erklärung zur Technik dahinter.

Eigene Online-Präsenz beobachten. Wer als Ärztin oder Arzt öffentlich sichtbar ist – etwa durch Vorträge, Interviews oder Social-Media-Aktivität –, sollte regelmäßig prüfen, ob der eigene Name oder das eigene Bild in Verbindung mit Produkten auftaucht, die nie empfohlen wurden. Eine einfache Suche nach dem eigenen Namen in Kombination mit Begriffen wie "Empfehlung" oder "Testimonial" kann erste Hinweise liefern.

Im Ernstfall dokumentieren und melden. Sollte ein Fake-Testimonial mit Ihrem Namen oder Bild auftauchen, sichern Sie Screenshots und URLs, bevor Inhalte gelöscht werden, und melden Sie den Fall der jeweiligen Plattform sowie – je nach Schwere – der Bundesärztekammer oder rechtlichem Beistand.

Fazit

Deepfake-Testimonials sind kein abstraktes Zukunftsproblem, sondern bereits Teil eines aktiven, skalierbaren Werbemodells, wie der heise-Bericht deutlich macht. Für Praxen bedeutet das: Aufklärung im direkten Patientenkontakt gewinnt an Bedeutung, gerade weil die technische Unterscheidung zwischen echt und gefälscht für Laien immer schwieriger wird. Wer seine Patienten aktiv informiert und die eigene Sichtbarkeit im Blick behält, kann zumindest im eigenen Umfeld einen Teil des Vertrauens erhalten, das im großen Maßstab gerade unter Druck gerät.